Verantwortungsloses Eingreifen in den Markt: Die Folgen der Strom- und Gaspreisbremse

12. April 2023

“Man kann sagen, das ist hier ein Doppelwumms.” – Wer erinnert sich noch an diese legendären Worte unseres Kanzlers aus dem vergangenen September? Mit dieser fragwürdigen Wortwahl kündigte die Ampelkoalition die Gas- und Strompreisbremse an. Dass dieses enorme Eingreifen in den Markt von vielen Seiten kritisch beobachtet wurde, war schon früh klar. Die Politik entschied sich jedoch dazu, die Augen zu verschließen und alles mit dem enormen Zeitdruck, der in solchen Krisen nun mal herrsche, zu entschuldigen. Dass hinter dieser Entscheidung eher ein “Doppel-Wahnsinn” als ein “Doppel-Wumms” steckt, zeigt sich nun immer deutlicher.  

Die Ursache

Um die gesamte Entwicklung verstehen zu können, lohnt sich ein Blick in die Historie des Strom- und Gasmarktes in Deutschland.  

Durch falsche Eingriffe in die angeblichen Deregulation der Märkte hat der Staat vor Jahren kurzfristig denkende Strom- und Gasanbieter erzeugt. Man brauchte auf einmal kein Netz und auch keine echte Handelseinheit mehr, um Strom- oder Gas an Endkunden zu verkaufen. Durch diese Deregulation konnte man einfach und ohne große Hürden zum Strom- oder Gasanbieter werden, so wie man es zuvor im Telekommunikationsmarkt mit den DSL-Anbietern gemacht hat. Und diese Möglichkeiten nutzten viele. Weil diese Anbieter aber nicht genau wussten, welchen Kundenstamm sie sich in ein oder zwei Jahre aufbauen können, haben sie vorerst keine langfristigen Kontingente eingekauft, sondern sich am kurzfristigen Markt eingedeckt und damit Wetten abgeschlossen. Ein Spiel, das nur funktioniert, solange alles “glatt” läuft. Sobald der Markt in Unruhe gerät, entstehen Probleme – so wie Anfang 2022 mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine. 

Die Probleme auf dem Gas- und Strommarkt führten zu enormen Schwankungen, die durch die vorangegangene Deregulation der Märkte direkt an den Verbraucher weitergegeben werden mussten. Das hat die Empörung und darauffolgende politische Schritte, wie die Strom- und Gaspreisbremse ausgelöst. 

Was steckt dahinter?

Die Preisregulierung durch die Strom- und Gaspreisbremse gilt nun seit dem 01.03.2023 und sogar rückwirkend für die ersten beiden Monate des Jahres. Der Staat deckelt damit den Strompreis auf 40 Cent je kWh und den Gaspreis auf 12 Cent je kWh. Diese Regelung ist vorerst bis Ende April 2024 vorgesehen. 

Die Folgen

Und zu welchen Folgen haben diese Entwicklungen und Regelungen geführt? Viele Menschen haben in Panik im letzten Jahr Stromverträge zu Preisen oberhalb von 60 oder 70 Cent angeschlossen, mit Mindestlaufzeiten im Bereich von einem Jahr oder länger. Alles halb so wild, denn der Staat zahlt ja die Differenz und sichert uns ab. 

Wer jetzt in die Vergleichsportale schaut, der erhält die günstigen Preise unterhalb der Preisbremsen. Diese Schnäppchen erhält man aktuell jedoch immer nur bei Abschluss von 12-Monats-Verträgen, und wer eine Preisgarantie haben will, der zahlt natürlich mehr. 

Die seriösen Anbieter mit den niedrigen Preisen und den kurzen Mindestvertragslaufzeiten geben den Vergleichsportalen keine Vertriebsprovisionen, denn sie sind meist keine Händler, sondern in der Regel Stadtwerke oder größere Energieversorger mit eigener Produktion oder zumindest mit langjähriger Handels- und Markterfahrung. 

Wir belohnen mit unserem System also die kurzfristig und schnell agierenden Strom- und Gashändler, die den Markt deregulieren sollten, und verhelfen ihnen zu staatlich bezahlten Garantie-Einnahmen. 

Die Realität

Werfen wir also einen Blick auf den aktuellen Status, wird einem fast schwindlig: Wer sich heute, also kurze Zeit nach dem wirksam werden der Strom- und Gaspreisbremse, nach einem neuen Anbieter umschaut und Preise vergleicht, der stellt fest: Es finden sich mühelos über 20 Anbieter, bei denen man Gas für unter 12 Cent und Strom deutlich unter 40 Cent je KWh einkaufen kann. 

Der “Doppelwumms” und damit die Gas- sowie Strompreisbremse waren also vollkommen sinnlos. Der Markt hat sich schon längst wieder beruhigt und die Preise haben sich normalisiert.  

Verantwortungslosigkeit als Lebenskonzept

Wieso bringen wir Menschen Unmündigkeit und Verantwortungslosigkeit als Lebenskonzept bei? Wieso schreiben die Journalisten nicht mal über die Vorzüge unseres westlichen freien Wirtschaftssystems? 

Ich bin schockiert und fassungslos zugleich darüber, wie wenig geistige Eigeninitiative in diesem Diskurs eine Rolle gespielt hat und wie sehr die meisten Menschen in ihren Systemen gefangen sind. Wir sind zu bequem, uns über diese Dinge aufzuregen und etwas zu ändern, weil es uns dann doch noch gut genug geht, uns über den Strom- und Gaspreis keine wirklichen Sorgen machen zu müssen.  

Mehr Vertrauen in den Markt

Wir sollten den Märkten mehr vertrauen und damit meine ich auch die Politik. Eine Gesellschaft, bei dem die Bürger in der Krise sofort nach dem Staat schreien, kann nicht dauerhaft erfolgreich sein. Warum muss der Staat ständig eingreifen? 

Natürlich mögen es manche mit sozialen Gründen erklären wollen. Und klar – es wird auf jeden Fall Menschen geben, die ein solcher Preisanstieg hart trifft. Aber mit welchem Argument heizen gut ausgebildete Journalisten die Diskussion an, indem sie genau diese Menschen und Haushalte in Extremsituationen vor die Kameras zerren und in Szene setzen? Die traurige Wahrheit lautet: Aus Quotenzwang und wirtschaftlicher Ahnungslosigkeit.  

Wir müssen soziale Hilfen leisten, um in solchen Situationen niemanden alleine zu lassen. Aber warum brauchen wir dafür ein Gesetz, dass den ganzen Strom- und Gasmarkt noch weiter stranguliert und reguliert – und zwar für uns alle? Und warum lässt sich die Politik auf dieses Spiel ein, anstatt auf die Märkte und seriöse Strom- und Gasanbieter zu vertrauen? Auch hier lässt sich der Grund leider kurz und bündig formulieren: Aus Populismus und einem falschen Verständnis dafür, was Politik und Gesetze zu leisten im Stande sind und wie man diese Mittel besser einsetzen kann. 

Die Folgen dieses Schrittes werden den Staat und damit uns alle viel Geld kosten und den Strom- und Gasmarkt schwächen. 

Quelle: https://unsplash.com/de/fotos/-Ds7O9Y1_80
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